Bekämpfung von Krankheiten

Patellaluxation

Terrier sind gesund - wird zumindest häufig behauptet – und Erkrankungen des Skelettes, wie z.B. die Hüftgelenksdysplasie (HD) scheinen nur bei den größeren Rassen eine Rolle zu spielen.  Dennoch berichten Besitzer vor allem der niederläufigen Terrier immer wieder, dass ihr Hund während des Laufens einen Hüpfschritt mit einem oder abwechselnd mit beiden Hinterbeinen einlegt. Bei manchen Hunden scheint auch das Treppensteigen oder das Hochspringen auf die Couch Schwierigkeiten zu bereiten. Und in ganz schlimmen Fällen können die Besitzer beobachten, dass ein Bein beim Laufen überhaupt nicht mehr belastet wird und der Hund nur auf drei Beinen läuft.

Alle diese Veränderungen deuten darauf hin, dass der Hund eine Verlagerung der Kniescheibe hat, was in der Sprache der Veterinärmediziner als Patellaluxation bezeichnet wird.

Wenn man sich die Struktur des Kniegelenkes anschaut sieht man, dass es sich um ein besonders kompliziert aufgebautes Gelenk handelt. Nicht nur Scharnier- sondern auch leichte Drehbewegungen können in ihm ausgeführt werden. Damit dies möglich ist, sind im Kniegelenk mehr Strukturen zu finden als in anderen Gelenken.

So kann man zunächst einmal zwei verschiedene Gelenke unterscheiden, nämlich

  1. das Kniekehl- und
  2. das Kniescheibengelenk.

Die Inkongruenz (die Gelenkflächen passen nicht zusammen wie z.B. beim Hüftgelenk = kugeliger Gelenkkopf und tiefe, passende Pfanne) des Kniekehlgelenkes, also des Gelenkes zwischen Oberschenkel und Schienbein, wird ausgeglichen durch zwei faserige, mandarinenförmige Knorpel, die Menisken, die gleichzeitig als Stoßdämpfer oder Puffer dienen. Diese Menisken sind untereinander aber auch mit dem Schienbein durch Meniskenbänder verankert. Das ganze Gelenk wird durch kräftige Bänder an der Außenseite aber auch im Innern (Kreuzbänder) stabilisiert. Und nicht zuletzt wird das gesamte Gelenk von einer straffen Gelenkkapsel umschlossen, die ebenfalls zur Stabilisation beiträgt. 

Die Kniescheibe oder Patella ist ein Teil des Kniescheibengelenkes. Sie ist in der Endsehne eines der stärksten Muskeln, dem großen Oberschenkelmuskel oder Musculus quadrizeps, eingelagert und über diese Sehne am Schienbein angeheftet. Wird das Gelenk gebeugt, dient die Patella dazu, die Sehne in ihrer Funktion zu unterstützen und ein Abknicken zu verhindern. Zieht sich der Quadrizeps zusammen, wird das Kniekehlgelenk gestreckt. Bei diesen Bewegungen gleitet die Patella wie ein Schlitten in einer tiefen Rinne des unteren Abschnittes des Oberschenkelknochens auf und ab. Wenn nun die Patella diese Bahn, entweder nach innen (medial) oder nach außen (lateral) verlässt, nennt man das Patellaluxation.

Die Ursachen für dieses Phänomen sind oft sehr komplexer Natur.

Die einfachste und natürlich nicht erbliche ist die äußere Gewalteinwirkung. Es kommt zu einer starken Dehnung der Seitenbänder des Gelenkes, die der Kniescheibe Halt geben, und manchmal sogar zu einer Zerreißung. Wird die Zugrichtung der Sehne, in der die Patella eingelagert ist durch extreme Bewegungen verändert – sie verläuft normalerweise gerade zur Gleitbahn der Patella – wird die Kniescheibe aus ihrer Bahn herausrutschen.

Bei so genannten X- oder O-Beinen, einer angeborene Fehlstellungen der Hintergliedmaße, ist die Zugrichtung der Patella bei Bewegungen des Kniegelenkes immer schräg zu ihrer Gleitbahn. Es kommt so zu einer Überlastung der Seitenbänder, die sich extrem dehnen. Bei O-Beinen springt daher die Patella häufig nach innen (medial) und bei X-Beinen nach außen (lateral) aus ihrer Bahn.

Bei kleinen Hunden, zu denen auch unsere niederläufigen Terrier gezählt werden müssen, ist die Rinne, in der die Patella hin und her gleitet häufig nicht tief genug ausgeformt. Diese Unterentwicklung alleine kann schon Ursache für eine Erkrankung sein. Häufig ist sie jedoch kombiniert mit einer Fehlstellung der Gliedmaße und durch Laxheit der anderen Bänder des Kniegelenkes hervorgerufene außergewöhnlich starke Drehbewegungen.

Mit fortschreitendem Alter werden die Bänder bei dieser erblich bedingten Patellaluxation durch die dauernde Überbeanspruchung ihre Festigkeit verlieren und die betroffenen Tiere bekommen mit den Jahren zunehmende Probleme beim Laufen.

Die Patellaluxation wird in verschieden Ausprägungsgrade eingeteilt.

Um diese Erbkrankheit werden zuchthygienische Maßnahmen ergriffen.

Hierzu muss als erstes eine exakte Diagnose gestellt werden. Besonders fortgebildete Tierärzte führen dazu eine klinische Untersuchung durch, die ohne Betäubung oder Sedation durchgeführt werden muss.

Zunächst wird das Gangwerk des Hundes beurteilt. Schon am Gangbild lässt sich erkennen, ob die oben beschriebene X- oder O-Stellung der Gliedmaße vorhanden ist. Anschließend wird das Kniegelenk und hier insbesondere die Kniescheibe abgetastet, wobei darauf geachtet wird, ob sich die Patella in ihrer Gleitbahn befindet. Durch Druck auf die Patella und Drehung des Unterschenkels gegen den Oberschenkel in gebeugter und gestreckter Haltung wird dann versucht, die Kniescheibe aktiv aus ihrer Rinne heraus zu bewegen. Je nach Befund erfolgt dann eine Einteilung des Ausprägungsgrades wie oben beschrieben.

Die Untersuchungen, die nach einem einheitlichen Untersuchungsschema durchgeführt werden, sind inzwischen etabliert. So können erkrankte Tiere – ähnlich den zuchthygienischen Maßnahmen bei der Bekämpfung der HD – ab einem bestimmten Ausprägungsgrad aus der Zucht genommen werden.

Nach den Vorgaben des Tierschutzgesetzes und der Zuchtordnung des KfT gilt Folgendes:

Hunde mit PL 0 und 1 dürfen in der Zucht eingesetzt werden, während Hunde mit dem Ausprägungsgrad 2, 3 und 4 grundsätzlich von der Zucht ausgeschlossen werden, da sie eindeutig als klinisch krank bezeichnet werden müssen. Langfristig kann auf diese Weise die erblich bedingte Patellaluxation auf ein akzeptables Maß zurückgedrängt werden.

 

 





Klubsiegerausstellung 2018
Nicht vergessen!
Mitglied werden!
Sie wollen Mitglied im KfT werden?
Dann bitte einfach...
...dem Link folgen!
Tag des Hundes 2018
Mitmachen lohnt sich